Private Webseite von Andreas Möller

11.09.2012 - Grand Canyon NP

Grand Canyon Village

Hirsch im Nationalpark

Der Tag fing genauso grau an wie er gestern beendet wurde. Schon gestern Abend zog der Himmel zu und es gab einzelne Regenschauer sowie Gewitter. Wir wachten früh im feuchten Zelt auf und packten unsere Sachen zusammen um uns noch kurz am Zeltplatz anzumelden. Der Himmel war von einer dicken Wolkendecke zugezogen und die Luft feucht. Wenigstens würden die Temperaturen für die kommende Wanderung mitspielen. Als wir unseren Campingplatz räumten sahen wir einen Hirsch mit gewaltigem Geweih. Leider interessierte er sich nur für sein Geäst und würdigte uns keinen Blick.

Danach ging es gleich zum Visitor Center des Grand Canyons NP um uns über die Wetterlage der kommenden Tage zu informieren. Doch irgendwie hatten die Ranger keine Ahnung und verwiesen uns immer nur auf irgend jemanden anderen.

Doch nun wollten wir auch mal einen Blick in die größte Schlucht der Erde werfen, also gingen wir direkt zum am Visitor Center gelegenen Viewpoint, den Mather Point. Hier erwartete uns eine Touristen-Traube und ein "gigantischer" Anblick in den Grand Canyon.

Nebel am Mather Point

Trotz der miesen Wetterlage versuchten Japaner durch die Wolkenlücken einen Blick in den Canyon zu erhaschen, doch wir verweilten hier nicht lange, da sich die Wolken wohl nicht so schnell verziehen würden und fuhren zum eigentlichen Ziel des Tages, den Grandview Point.

Grandview Trail

Der Grandview Trail ist eine anspruchsvoller Wanderweg zur Horseshoe Mesa. Seinen Namen verdankt dieses Plateau höchstwahrscheinlich seiner Form, die wie ein Pferdehuf aussieht. Die Wanderung startet am Grandview Point östlich des Visitor Centers. Auch hier erwarteten uns schon Massen an Touristen. Doch das Gute ist, je weiter man den Trail folgt, desto einsamer wird die Wanderung. Die meisten Besucher folgen dem Grandview Trail nur einige Meter um eine bessere Aussicht in den Canyon zu genießen und Fotos aus einer anderes Perspektive zu schießen. Das Wetter wurde auch ein wenig besser. Die Wolken lagen jetzt nicht mehr im Canyon und sogar ein Sonnenstrahl erhellte einige der rot-grünen Berge in der Ferne.

Für den Weg zur Horseshoe Mesa entlang des Grandview Trail's benötigt man unbedingt viel Wasser und festes Schuhwerk. Es gibt einige sandige Passagen an denen Rutschgefahr besteht. Um Unfälle zu vermeiden, sollte man lieber vorsichtig sein und sich nicht überschätzen. Während der ersten Hälfte der Wanderung ging es nur bergab. Ebene Passagen um entspannt zu laufen findet man hier nicht. Der erste Teil des Abstiegs ist mit Holzpfählen verstärkt, später wurde der Weg mehr oder weniger mit Felsen gepflastert. Während der gesamten Wanderung hat man eine tolle Aussicht auf den Grand Canyon. Wer aufmerksam ist, der findet vielleicht das eine oder andere Lebewesen am Wegrand.

Wir haben einen Kolibri im Gebüsch beobachten können.

Nach dem Erreichen der Horseshoe Mesa kommt man zuerst an einer alten Steinruine vorbei. Hier gibt es auch ein Schild was vor radioaktiver Strahlung warnt. Hier sollte man wohl lieber auf dem gekennzeichneten Weg bleiben. An dieser Stelle fanden wir auch türkise Steine. Ich hoffe nicht, dass die etwas mit dem Schild zu tun haben. Etwas weiter in Richtung Colorado River teilt sich der Weg. Hier kann man sich entscheiden ob man zum westlichen oder zum östlichen Teil der Mesa wandern möchte. Wir haben uns für Westen entschieden.

Uns überholten andauern zwei junge Franzosen, die ein schnelles Tempo vorlegten. Doch merkwürdiger Weise kamen sie ständig vom Weg ab und landeten letztendlich immer hinter uns. So erreichten wir das Ziel vor ihnen und hatten freie Platzwahl bei einer wohl imposantesten Aussicht der Welt.

Regen

Der Rückweg lag nun vor uns und das Wetter hatte es gut mit uns gemeint... bis auf jetzt. Schon in der Ferne wurden die Wolken dunkler und ein Blick auf unser Ziel, den Grandview Point, ließ nichts Gutes verheißen. (Foto rechts) Bis auf eine alte Ruine ohne Dach, gab es auf dem Trail weit und breit keine Möglichkeit sich unterzustellen. Und so wurden wir frontal vom Regen erwischt.

Wenige Minuten nachdem sich der Regen gelegt hatte, begann es zu plätschern und tosen. Man konnte mehrere Wasserfälle hören die sich langsam bildeten. Eine Flash Flood! Das Wasser konnte auf der Horseshoe Mesa nicht absickern und sucht sich den einfachsten Weg hinab in das Tal. Dabei wird das Gestein ausgespült und das Wasser bekam eine surreale blut-rote Farbe. Auch unser Wanderweg verwandelte sich in einen reißenden Bach.

Hier gibt es ein Video der Flash Flood.

Flash Flood an der Horseshoe Mesa (Grand Canyon) (11.9 MB)

Das schlechte Wetter hatte allerdings auch seine Vorteile. Der Rückweg, die 1000 Höhenmeter hinauf, wäre ohne das kühle Nass wesentlich schwerer ausgefallen. Bei angenehmen Temperaturen viel der Aufstieg nicht ganz so schwer.

Kurz bevor wir den Aufstieg gemeistert hatten, sahen wir noch einen Truthahngeier wenige Meter entfernt auf einen Baum sitzen. Trotz der Nähe ließ er sich nicht stören. Ich versuchte dichter an ihn heranzukommen, doch er bemerkte uns und flog, nachdem er sein Geschäft erledigte, in den dichten Nebel davon.

Wieder am Grandview Point angekommen, lag der komplette Canyon wieder im Nebel. Man konnte absolut nichts mehr von der Größe des Grand Canyons erkennen. Trotzdem versuchen immer wieder durchnässte Touristen Fotos zu schießen.

Die Wanderung zur Horseshoe Mesa und zurück dauerte ca. 5 Stunden und es wurden laut GPS 14,4km zurückgelegt und 989 Höhenmeter überwunden.

Wetter

Den ganzen Tag über war es bedeckt und teils neblig. Ab und zu durchzogen größere Regenschauer den Grand Canyon. Die Temperatur überschritt nicht die marke von 17°C.

Im der Nacht, auf dem Weg vom Grand Canyon NP zum Havasu Canyon, durchfuhren wir ein starkes Gewitter. Der Regen war so stark, dass man nur wenige Meter weit sehen konnte.

Unterkunft

Wir schliefen diese Nacht im Auto auf dem Parkplatz des Hualapi Hilltops. Am nächsten Morgen mussten wir früh aufstehen, denn unser Ziel war das tief im Canyon liegende Indianer-Dorf Supai.

GPS-Track und Route