Private Webseite von Andreas Möller

30.06.2015 - Kaindysee

Anfahrt

Nachdem wir am Tag den Charyn-Canyon besucht hatten, ging es am Nachmittag noch weiter in Richtung Süden zum Kaindysee. Der Kaindysee ist ein Bergsee der nach einem Erdbeben im Jahr 1911 entstand. Ein Erdrutsch versperrte dabei den Kaindy-Fluss und staute das Wasser auf. Das führte dazu, dass der umliegende Fichtenwald überflutet wurde. Heute kann man die restlichen Fichtenstämme aus dem See herausragen sehen.

Die Anfahrt zum Kaindysee gestaltet sich recht holprig. Bis zum Dorf Dzhalanash fährt man auf einer recht gut ausgebauten Verbindungsstraße. Doch danach wird es immer holpriger und man wechselt von Asphalt zu Schotter, Sand und Steine. In der Gegend muss man auch mit verstärkten Polizeikontrollen rechnen, da die Grenze zu Kirgisistan nur 10 bis 20km entfernt liegt.

Die Einfahrt zum Kandysee befindet sich direkt neben einem Friedhof. Man biegt von der "guten Schotterpiste" auf eine Art Feldweg ab. Von hieraus geht es immer nur geradeaus.

GPS-Position: Einfahrt zum Kaindysee

Der weitere Weg gestaltet sich sehr abenteuerlich. Die "Straße" ist sehr holprig und voller Schlaglöcher. Man fährt immer rechts vom Kaindy-Fluss entlang, bis der Weg direkt vor diesem endet. Das heißt, man muss den Fluss überqueren. Das Wasser ist nicht sehr tief aber die Strömung ist doch recht stark. Das eigentliche Problem ist aber, dass man nichts sehen kann und "auf gut Glück" mit dem Auto durch den Fluss fahren muss. Eine hohe Bodenfreiheit ist hier definitiv vom Vorteil.

Also wir vor dem Kaindy-Fluss hielten, stand der anderen Seite des Flusses ein alter sowjetischer Militärbus. Der Fahrer (wir vermuten, dass es ein Ranger war) hat unser Auto durch den Fluss navigiert und uns gesagten, wie wir das Auto ohne Aufsetzer auf die andere Seite bekommen.

GPS-Position: Flussüberquerung

Wer sich nicht zutraut den Fluss zu durchqueren, der kann den restlichen Weg zum See auch laufen. Von hieraus sind es noch ca 8km. Achja... Auf dem Rückweg, keine 24h später, verlief der Fluss in ganz anderen Bahnen. Die tiefe Stelle, die es zu überqueren galt, war auf ein Mal ganz flach und einige flache Stellen waren umso tiefer. Erstaunlich wie schnell sich die Landschaft ändern kann.

Video - Flussdurchquerung (8,2MB)

Preisliste

Nachdem wir den Fluss überquert hatten, versperrte ein alter Bus den Weg. Die Insassen, allesamt gut alkoholisiert, hatten ein Problem mit dem Getriebe und konnten nicht weiter fahren. Einer der Kasachen war Mechaniker und lag unter dem Wagen, um das Problem zu beheben. So warteten wir etwa 15min, bis das Problem behoben wurde. Keine 200 Meter weiter, blieben sie wieder liegen... Doch zum Glück gab es dieses Mal Platz. Also fuhren wir vorbei und überquerten noch eine kleine Brücke um wieder auf die andere Seite des Flusses zu gelangen.

Irgendwann erreicht man eine geschlossene Schranke. Hier muss man Eintritt für den See bezahlen. Was genau wir bezahlt haben, habe ich leider nicht mehr im Kopf. Aber vielleicht versteht jemand das Schild mit der Preisliste.

Nachdem man den Eintritt bezahlt hat, kann man mit dem Auto bis zum Lager der Ranger hinauffahren. Hier stehen Jurten, Esel und einige Schrottteile herum. Man merkt, dass man hier von der Zivilisation abgeschnitten ist. Die Ranger leben hier oben mit ihren Familien.

Vor den Jurten stellten wir unser Auto ab. Von hieraus sind es noch etwa. 200m bis zum See. Der Weg führt steil hinab zwischen die Berghänge. Man gelangt schließlich auf eine Lichtung an die der azurblaue Kaindysee liegt. Wir haben unsere Sachen, Zelt, Rucksäcke und Essen nach unten gebracht. In der Zwischenzeit tauchten unsere betrunkenen Freunde mit dem Getriebeschaden auf. Sie erreichten jedoch niemals die Lichtung, an der wir schließlich gecampt haben.

Kaindysee

Wie schon erwähnt, entstand der Kaindysee aufgrund eines Erdbebens. Er befindet sich im Tian-Shan-Hochgebirge und ist umgeben von Bergen und dichten Wäldern. Die überfluteten Fichten ragen aus dem türkis-blauen Wasser hervor. Bis auf die kahlen Stämmen, sieht man leider nicht viel vom Fichtenwald. Doch unter Wasser sind die Bäume noch grün, wie man auf den Fotos dieser Webseite sehen kann. Das Grün kommt jedoch von den Algen, die wie Lametta über die Äste hängen.

Am See gibt es eine recht überschaubare Lichtung mit Bänken und zwei Feuerstellen. Außerdem gibt es eine kleine überdachte Hütte und eine Toilette, die sich aber tiefer im Wald versteckt. Baden sollte man im See nicht: Zu kalt!

Rechts führt ein Trampelpfad zu einem Wasserfall. Dort endet der Weg aber auch schon. Ansonsten ist die Lichtung recht überschaubar. Es gibt von der Lichtung aus keine Möglichkeit auf die andere Seite des Sees zu gelangen. Auf den Satellitenbild von here Maps kann man erkennen, dass es doch einen Möglichkeit gibt, die andere Seite zu erreichen. Dazu müsste man vom Jurtenlager zurück und die Serpentinen nach unten fahren. Sobald man den Fluss auf der rechten Seite sieht, kann man diesen Überqueren und folgt der Straße. So gelangt man (vermutlich) auf die andere Seite des Sees. Wie gesagt, das habe ich aus der here Maps Karte abgelesen.

Am Abend zeigte sich der Kaindysee in einem tollen Licht und die Wolken erstrahlten im abendlichen Rot. Kurz nach Einbrechen der Dunkelheit kam noch ein Ranger auf seinem Pferd vorbei, um nach dem rechten zu sehen. Wir entfachten ein Lagerfeuer und erwärmten diverse Speisen. In der Nacht miaute ein Tier direkt neben unser Zelt. Entweder war es eine Wildkatze oder eine Hauskatze, die zu den Rangern gehörte.

Nach dem Aufwachen, zeigten sich die ersten Sonnenstrahlen hinter den Bergketten. Der See lag noch im Schatten der Berge. Das war die ideale Zeit, um die Gegend zu erkunden. Wenn man die Lichtung in Richtung Westen verlässt, gelangt man auf die oberste Kante eines "Canyons". Hier fließt der Kaindy-Fluss entlang. Auf der anderen Seite des Sees gibt es einen Hügel, von wo aus man sicherlich einen guten Blick über den Kaindysee hat. Jedoch scheiterte ich daran, den Fluss zu überqueren. Es gibt zwar einige Baumstämme, über die man hätte laufen können, doch dazu hätte ich mit Anlauf über die Steine springen müssen. Das war mir dann aber doch zu gefährlich und nass wollte ich nicht werden. Die Strömung des Flusses ist übrigens sehr stark.

Also lief ich zurück zum Zelt und half dabei unsere Sachen einzupacken.

Wir sind am frühen Morgen aufgebrochen. Das Ziel war das Bartogay Reservoir und das anliegende Assy Plateau.

GPS-Track und Route